www.posamentir-stein.de




Meine Großtante Anna Israel geb. Stein, verw. Hartwig




Anna war das älteste Kind meiner Urgroßeltern Filip Stein und Pauline Posamentir.
Sie wurde in Vesela, Böhmen, Czech geboren und am 15.5.1944 in Auschwitz ermordet.
Anna war eine sehr fürsorgliche, häusliche und gutmütige Frau und konnte sehr gut kochen. Die zwei Jahre, die sie unter menschenunwürdigen Lebensbedingungen in Theresienstadt überlebt hat, verdankt sie wohl hauptsächlich ihrer Kochkunst. Auf einer Postkarte schrieb sie:
"Ich bin als Köchin beschäftigt". Ob das der Wahrheit entsprach??? Wir werden es wohl nie erfahren.

Als sie ihren ersten Ehemann Hans Hermann Hartwig ca. 1902 heiratete, holte sie ihre jüngste Schwester, meine Großmutter, nach Berlin und kümmerte sich liebevoll um sie. Warum weiß ich nicht. Vielleicht war die Mutter krank. Sie war stets hilfsbereit und aufopferungsvoll, was sie letztlich mit ihrem Leben bezahlte.

Anna Stein mit Hans Hermann Hartwig 1902Hans Herrmann Hartwig 1902 in Wien

Anna Stein mit ihrem ersten Ehemann Hans Hermann Hartwig in München.
Von Beruf war er Artist/ Varietekünster. Zwischen 1902 bis 1905 lebten sie in Berlin.
Nach ca. vier Ehejahren starb Hans Hartwig und wurde in Berlin begraben.

Anna Stein un d Isiidor IsraelIsidor Isaak Israel

Als Witwe zog sie wieder zu ihrer Familie nach Köln
und heiratete den Kaufmann und Antiquitätenhändler
Isidor Isaak Israel aus Hamburg - weitere Daten zu Isidor Israel, der der Compagnion von Franz Bourgeois war.



1910 - Wohnhaus in Köln-Lindenthal, Lützowstr.



Das Foto zeigt meine Mutter Raphaela und meiner Großmutter Jeanette/Johanna.
Anna war für Raphaela wie eine "zweite Mutter"

Mit Löwchen Lotte

Zwischen 1921/1922 ließ  Anna Israel   - und meine Großmutter - sich auf Wunsch ihres Mannes Isidor Israel von Max Liebermann portraitieren.

Wertvoller Schmuck und Kunstgegenstände, sechs Liebermann Gemälde, davon vier von Bertha Bourgeois, geb. Stein, eins von Johanna Stein und das u.a. von Anna Israel, geb. Stein, verschwanden unter der NS-Herrschaft, entweder durch Enteignung, Zwangsverkauf oder ähnlichen Umständen. Möglicherweise wurde der Erlös zwecks "Heimeinkaufsvertrag" für den "Lebensabend im Ghetto Theresienstadt" auf das Konto der Deutschen-Bank-Depositenkasse Hamburg überwiesen, den sie, wie alle anderen Juden auch, vor der "Evakuierung/Deportation" in das Alters-KZ-Theresienstadt abschliessen mußte. Durch diesen Kauf sind die Reste des noch vorhandenen Vermögens vollends verschluckt worden.
siehe Heimeinkaufsverträge bei wikipedia.org



Die Deportation in die Vernichtungslager wurde als "Abwanderung" bezeichnet,
wie auf der Karteikarte der Jüdischen Gemeinde Hamburg zu lesen ist.



Im Werkekatalog Max Liebermann von Dr. Matthias Eberle auf Seite 1060 wird das eine Gemälde wie folgt beschrieben:

1922/18
Bildnis einer unbekannten Dame im blauem Kleid
1922
Öl auf Leinwand
97 x 78 cm
Bez. rechts oben : M. Liebermann 1922
Privatbesitz

Prov. Sotheby's, London 1985,1988;
Privatbesitz, Israel.

Ausst.: Sotheby's London 20.3.1985, Nr. 162, Abb.; Sothevy's London 5.10.1988, Nr. 134, Abb.

Es ist bisher nicht gelungen, die Dargestellte zu identifizieren

.




Internetrecherchen haben ergeben, dass das Bild am
20.10.2005 at 20:00, über das
Montefiore Auction House
http://www.montefiore.co.il/

Auction No. 2, Israeli & International Art,
für $ 20.700,00 verkauft wurde.

Zwei Jahre später stand es wieder auf einer Auktionsliste und zwar am

07. 07.2007 Live Auktion ebay  - Auction House Info Gilden's Arts UK Ltd.87 Heath Street, Hampstead Village London, London NW3 6UG, United Kingdom
und wurde für USD 18.000,00 angeboten.

Das nebenstehende Bild und die anderen verlorengegangenen o.g. Gemälde sowie der Schmuck gehören zur NS-Raubkunst und sind bei der Koordinierungstelle www.lostart.de gemeldelt und in die Lost Art Internet-Datenbank aufgenommen worden.

NS-Raubkunst bedeutet: Kunstgegenstände, die infolge der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft und der Ereignisse des Zweiten Weltkriegs verbracht, verlagert oder – insbesondere jüdischen Eigentümern – verfolgungsbedingt entzogen wurden.




Anna mit Nichte und Scottch Terrier Nini Frühling 1932 in Köln.

Um der aufkommenden antijüdischen Verfolgung zu entkommen, zog meine Familie - Bertha Bourgeois mit ihren beiden Schwestern Anna Israel
und Johanna Stein sowie meine Mutter - 1932 nach Hamburg, wo der Antisemitismus sich noch sich Grenzen hielt.

Anna Israel


In Hamburg 36, Colonnaden 23 - 27 eröffnete Bertha Bourgeois, geb. Stein im September 1932 wieder ein Antiquitätengeschäft,
in dem ihre Schwestern und zeitweise meine Mutter mit beschäftigt waren.

Anna, Jeanette/Johanna und Bertha vor ihrem 1932 neueröffneten Antiquitätengeschäft
- hier konnten sie noch lachen > später nicht mehr!

Enteignet - wurde das gemeinsame Antiquitätengeschäft
Beraubt - jeglicher Kunstgegenstände, Schmuck und Wertsachen
Diskriminiert - durch tragen des gelben Sternes
Verbannt - aus der großen Wohnung Hamburg, Große Theater 66 in das Judenhaus -frühere Oppenheimer Stiftung - Hamburg, Kielortsalle 22

Buildings Integral to the Former Life and/or Persecution of Jews in Hamburg - Eimsbüttel/Rotherbaum I.
http://www1.uni-hamburg.de/rz3a035//kielortallee.html
Entwürdigt - deportiert in einem Viehwaggon nach Theresienstaft und zum Schluß

Ermordet - in Auschwitz

1940 - das letzte Foto von Anna Israel mit meiner Mutter.
Auf dem Foto sieht man ihr ihre endlose Traurigkeit und Kummer schon an. Sie hatte große Angst vor der Zukunft und vor allem um ihr Ziehkind,
meine Mutter, die zu dem Zeitpunkt meine Schwester unter dem Herzen trug. 1942 wurde sie ins KZ nach Theresienstadt deportiert.
Wir haben nie wieder etwas von ihr gehört.

Was jetzt nicht mehr stimmt - kleine Wunder geschehen eben doch noch.
Nach 64 Jahren fand eine angeheiratete Verwandte im Nachlaß ihrer Schwiegermutter eine Postkarte aus Theresienstadt von Tante Anna -
geschrieben 6.2.1944 abgeschickt am 4.5.1944 Berlin Charlotttenburg. Als die Postkarte in Wien ankam, war Anna wahrscheinlich schon Tod.
Sie wurde am 15.5.1944 von Theresienstadt nach Auschwitz deportiert.

Postkarte aus Theresienstadt 1944 von Anna Israel

Ich möchte mich nochmals auf diesem Wege herzlichst dafür bedanken, dass Sie mir all die Bilder und Dokumente zukommen ließen.

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In allen drei Gedenkbüchern
1. Hamburger jüdische Opfer des Nationalsozialismus, Hamburg 1995
2. Theresienstädter Gedenkbuch, Prag 2000

Gedenkbuch Theresienstadt

3. Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945,
Bundesarchiv (German National Archives), Koblenz 1986 und
auf der Seite von Yad Vashem habe ich die letzten Daten aus ihrem Leben gefunden und zwar:

wurde sie am 16.7.1942 mit noch 925 anderen Personen von Hamburg nach Theresienstadt
und am 15.5.1944 mit 2503 Lagerinsassen aus Theresienstadt nach Auschwitz deportiert und ermordet.


Den Deportationsbescheid erhielt sie im Judenhaus Kielortsalle 22 -
Das war ihre letzte Wohnadresse in Hamburg.

Der Deportationsbescheid forderte sie auf, dass sie sich mit dem vorgeschriebenen
Gepäck am 15.7.1942 in der Moorweidenstraße 36, Logenhaus, einzufinden hat.
Den schweren Weg ging sie alleine. Sie wollte keine Begleitung.



Links im Hintergrund die Moorweidenstraße 36, Logenhaus - mittig der Gedenkstein aus finnischem, gespaltenen Granit des
Bildhauers Ulrich Rückriem von 1983 sowie im Vordergrund die Gedenktafel

Platz der Jüdischen Deportierten

Im Jahre 1933 lebten in Hamburg 24 000 Juden

Hier begann der Weg tausender jüdischer Bürger Hamburgs, 
der in den Vernichtungslagern des Nazi-Regimes endete.


Der Gedanke, dass Sie noch zwei lange Jahre unter schrecklichsten Umständen in Theresienstadt leben mußte, macht mich ganz betroffen. Es muß sehr schlimm für sie gewesen sein. Sie war immerhin schon 67 Jahre alt, schwerhörig und etwas kränklich gewesen erzählte mir meine Mutter. Wie und unter welchen Umständen sie dort gelebt hat, werden wir wohl nie erfahren. Eine Überlieferung erzählt, dass sie dort als Köchin gearbeitet hat.
Nachfolgender Text beschreibt die entsetzliche Angst, die die Lagerhäftlinge vor einem Transport hatten:


Auszug aus dem Buch "Die Juden von Böhmen von Rudolf M. Wlaschek", Seite 176, über Theresienstadt.

Die Auswahl der Personen für die Transporte in den Osten mußte die jüdische Selbstverwaltung vornehmen. Es ist viel diskutiert und gestritten worden, in welchem Maße die Lagerleitung mitschudig wurde am Tod von Tausenden von Juden, die im Laufe der Jahre nach Auschwitz, Bergen Belsen oder Treblinka deportiert wurden. Wer für einen Transport vorgesehen war, erhielt eine "Einberufung" mit folgendem Text:


Sie werden in den Transport eingereiht und haben sich zur Abfertigung pünktlich lt. Angabe des Gebäude bzw. Hausältesten am Sammelplatz einzustellen. Der Sammelplatz ihrer Gruppe ist im oberen Eck dieser Einberufung angegeben. Nach Erhalt dieser Einberufung müssen Sie sofort ihr Gepäck vorbereiten. Der Umfang des mitzunehmenden Gepäcks muß auf das allernotwendigste Mindestmaß herabgesetzt. Keineswegs kann mehr als 1 Koffer oder ein Weichgepäckstück mitgenommen werden. Grundsätzlich ist das Gepäck in die Schleuse persönlich mitzunehmen. Schleusenantritt Datum Uhrzeit.

Die Stimmung im Ghetto war bedrückend, die Angst vor den Transporten war allgegenwärtig. Eva Roubickova schrieb:
Das Transportgespenst ist wieder einmal da. Jeder hat Angst, entsetzliche Angst. Am schlimmsten sind die Tage, an denen
die Transporte zusammengerufen werden, heißt es in einer literarischen Verarbeitung eines Überlebenden. "Meist reicht es,
wenn meine Karte herausgenommen wird… bevor der Transport abgeht…. das kostet immer das Leben eines anderen."

Der erste Transport Ende November 1941 brachte 1806 Häftlinge aus Theresienstadt nach Auschwitz Birkenau. Bei
der Selektion an der Rampe wurden 215 Männer und 32 Frauen für das Lager ausgesucht, alle anderen wurden
unmittelbar nach der Ankunft ermordet. Aus Böhmen (ohne Sudetenland) kamen bis zum 16. März 1945 96 Transporte
mit 53 272 Personen im Ghetto Theresienstadt an. Zwischen dem 24. November 1941 und dem 20. April 1945 wurden
insgesamt nach Theresienstadt deportiert



Daten auf Yad Vashem Anna Israel nee Stein was born in 1875. Prior to WWII she lived in Hamburg, Germany. This information is based on a list of victims from Germany found in the Gedenkbuch - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945, Bundesarchiv (German National Archives), Koblenz 1986. Terezinska Pametni Kniha/Theresienstaedter Gedenkbuch, Terezinska Iniciativa, vol. I-II Melantrich, Praha 1995, vol. III Academia Verlag, Prag 2000
Last Name ISRAEL
First Name ANNA
Maiden Name STEIN
Date of Birth 12/08/1875
Place During Wartime HAMBURG
Key to Transport Transport VI/1 from Hamburg to Terezin on 16/07/1942
Key to 2nd Transport Transport Dz from Terezin to Auschwitz on 15/05/1944
Prisoner Nr. in Transport 380
Prisoner Nr. 2nd Transport 972
Type of Material list of Theresienstadt camp inmates
Language CZECH

Victim's Status End WWII DIED Full Record Details for Israel Anna
Source Gedenkbuch - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945, Bundesarchiv (German National Archives), Koblenz 1986
Last Name ISRAEL
First Name ANNA
Maiden Name STEIN
Date of Birth 12/08/1875
Place of Permanent Residence HAMBURG,HAMBURG,HAMBURG,GERMANY
Place of Death AUSCHWITZ,CAMP
Victim's Status End WWII MISSING
Type of Material list of victims from Germany




Links:
A History of Jews in Hamburg http://www1.uni-hamburg.de/rz3a035//jh_welcome.html

www.shoa.de/kz_theresienstadt.html
Ausschwitz Endstation Vernichtung
Terezin (Theresienstadt)

http://www.yadvashem.org/
Terezin database - www.holocaust.cz/cz2/victims/victims


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