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Joseph Hubert Caspar Bourgeois, der Vater meines Großonkels Franz Hubert Bourgeois

Sohn des Franz Bourgeois und Anna Margarethe Weyrauch. Von Beruf Kunstsammler und Antiquitätenhändler wurde 1848 in Köln geboren und
verstarb im Alter von 55 Jahren 1904 in Köln. 1876 heiratete er die Tochter des Vergolders Franz Rainer Schmitz und Catharina Passavanti zu Köln.

Joseph Hubert Caspar Bourgeois und Anna Barbara Odilie hatten zwei Söhne:
1. Franz Hubert Bourgeois, geb. ca. 1877 in Köln, Germany; gest. ca. 1933 in Köln, Germany
2. Hubert Stephan Bourgeois, geb. 1881 in Köln; gest. 1964 New York, NY, USA
Beide Söhne waren ebenfalls Kunstsammer und Antiquitätenhändler.


Caspar Bourgeois

Unterschrift Caspar Bourgeois
Hel. und impr. Meisenbach Rifffarth & Co., Berlin

Die Daten aus dem Leben des Caspar Bourgeois habe ich aus dem nachfolgendem
"Katalog der Kunstsachen und Antiquitäten des VI. bis XIX. Jahrhunderts mit "Frontispizportrait in Heliogravure
(Portrait von Caspar Bourgeois) in 2 Bänden, Versteigerungskatalog der Firma J. M. Heberle (H. Lempertz Söhne)
" entnommen.

Katalog  1904

"Collection Bourgeois Fréres“ bei Lempertz, vom 19. bis 29. Oktober 1904"


I Band Antiquitäten enthält:
1512 Stücke in genau beschriebene Positionen wie Steinzeug, Majoliken, Terrakotten, Arbeiten in Ton, Fayencen, Porzellan, Glas, Glasmalereien, Email, Gefässe und Gegenstände des Christlichen Kultus, Prunk- und Tafelgeräte in Edelmetall und in Edelmetall gefasst, Schmuck und Kleingerät in Edelmetall, Bronze, Kupfer, Messing, Zinn, Blei, Eisen, Plaketten und Medaillen, Uhren und wissenschaftliche Instrumente, Bestecke und Handgerät, Waffen, Elfenbein, Buchs, Skulpturen in Holz, Kelheimer Stein, Marmor, Bergkristall, Leder, Wachs, Schildpatt, Manuskripte, Bücher, Einbände, Miniaturen, Dosen mit Miniaturen, Textilarbeiten, Kasten und Schatullen, Möbel, Einrichtungs-Gegenstände, einige illuminierte Stundenbücher des 15. Jahrhunderts, wie, ''Modelbuch'' und ''Wapenbuch'' von Sibmacher, Dodonaeus koloriertes Kräuterbuch, einige alte Drucke und prächtige Einbände des 16.-18. Jahrhunderts wurden damals ausgerufen.

 Dr. Alexander Schnütgen, Domkapitular zu Köln (Schnütgenmusum in Köln), ein sehr guter Freund und Kunde der Familie Bourgeois schrieb das

GELEITSWORT

Der freundlichen Eingang, diesen, glänzenden Katalog ein einfaches freundschaftliches Geleitswort mit auf den Weg zugeben, glaube ich Folge nicht
versagen zu dürfen bei den langjährigen nachbarlichen Beziehungen, die mich mit dem am 9. März d. J. verstorbenen Besitzer verbanden. 

Als er vor 30 Jahren mit seinem ältesten Bruder Stephan, dem Gründer des Geschäfts, in Begleitung des anderen Bruders Jean aus Heidelberg in die Vaterstadt zurückgekehrt, gleich neben meiner kleinen Kurie am Margaretenkloster sein großes Lager von Kunstsachen und  Antiquitäten eingerichtet hatte, war für mich, den jungen Sammler und kunstgeschichtlichen Lehrling, der Verkehr in dem anregenden Hause sehr instruktiv. - Der Aufschwung, den der Kunsthandel gerade damals in Deutschland, namentlich in Köln, zu nehmen begann, dank vor allem den bedeutenden Heberleschen Auktionen, die hier für Jahrzehnte den Kunst markt fesselten und förderten, fand in dem neugegründeten Geschäft seinen Widerhall und Mittelpunkt. Die Gründung der Filiale in Paris, die in dem Bruder Stephan, dem hervorragenden Gemäldekenner, ihren ebenso urteilfähigen wie betriebsamen Vertreter hatte, steigerte noch die Bedeutung des Kölner Stammhauses, für das die Besuche des Pariser Teilhabers stets die Hauptfeste waren. Mit Vorliebe hörten die rheinischen Museumsherren und Sammler den gewandten und liebenswürdigen Vermittler erzählen von seinen Reisen und Entdeckungen, seinen Verbindungen und Erfolgen.

Die Zeitströmung, die durch den Wettlauf einsichtsvoller, rühriger Galeriedirektoren mit erleuchteten, opferwilligen Liebhabern dem Altertümerbetrieb immer günstiger sich gestaltete, wurde von den Gebr. Bourgeois mit so viel Glück wie Geschick benutzt, und für das internationale Geschäft ward das Kölner Lager, das schon 1879 in dem großen Eckhaus neben dem Wallraf-Richartz-Museum ein eigenes Heim beziehen konnte, bald die Sammelstätte für Werke der Malerei, Plastik, Goldschmiedekunst, Keramik, eine reichhaltige und glänzende Vereinigung von kunstgewerblichen Arbeiten aus dem frühen Mittelalter bis in den Beginn des XIX. Jahrhunderts.

Was aus diesen stets sich rekrutierenden Beständen in die großen und kleinen, öffentlichen wie privaten Sammlungen des In- und Auslandes übergegangen ist, zählt nach manchen Tausenden von Gegenständen, und dazu gehören Hunderte, die zu den bedeutendsten Leistungen von Künstlerhand gerechnet werden dürfen, auserlesene Belegstücke für die kunstgeschichtliche Entwicklung.

So oft Caspar Bourgeois, der den Betrieb immer mehr seinen  weitausschauenden Bestrebungen angepaßt hatte, von großen oder kleinen Versteigerungen, die er zu seinen besten Bezugsquellen und Lehrmeistern zählte, von entfernten oder nahen Reisen, die selten ganz resultatlos blieben, mit Schätzen beladen heimkehrte, lud er mich zu deren Besichtigung freundschaftlich ein, und mit Genugtuung konnte ich beobachten, wie seine
Kenntnis immer gründlicher, sein Geschmack immer ernster, seine Begeisterung immer wärmer, sein Urteil immer zutreffender wurde. Wie viele Kleinodien der romanischen und gotischen Perioden, auch der edelsten Renaissance, deutschen, flandrischen, französischen, italienischen Ursprungs, die über den Besitzwechsel erhaben erscheinen mochten, hatten den Weg in seine Hände gefunden und da Revue zu passieren! Alter und Herkunft, Techniken und Analogien zu erforschen und zu bestimmen, bildete den überaus anregenden Gesprächsstoff, bei dem die Bewertungen ganz in den Hintergrund traten, die von Jahr zu Jahr stiegen, zum Kopf schütteln der meisten älteren Sammler, zum Ärger mancher der rührigsten Museumsdirektoren, deren Begehrlichkeit an den Mitteln nur schwer ihre Begrenzung zu finden pflegt.

Nach dem im Jahre 1893 erfolgten Tode des Bruders Jean verdoppelten die beiden überlebenden Brüder ihren Einfluß, trotz der Teilung der Arbeit. - Nur zu bald mußte Bruder Caspar sie allein auf seine Schultern nehmen, am 23. August 1899 auch des Bruders Stephan beraubt, an dem er mit so großer Verehrung und Dankbarkeit hing.

Das Pariser Lager ging ganz in das Kölner Geschäft über, zu dessen fruchtbarer Fortsetzung es nunmehr der ganzen Einsicht und  Energie des Alleinbesitzers bedurfte. Alle Prüfungen hatten seinen Blick nur zu schärfen, seinen Unternehmungsgeist nur zu heben vermocht. Den gesteigerten Erwerbungen ganzer Sammlungen wie einzelner Gegenstände, bei denen keine Kunstzweige ausgeschlossen, die zeitlich entlegeneren,
archäologisch bedeutsameren, wissenschaftlich wertvolleren Exemplare immer mehr betont wurden, entsprachen die geschäftlichen Ergebnisse. Beständig wuchs der Abnehmerkreis, bei dem das persönliche Vertrauen zur Kenntnis und Zuverlässigkeit des Anbieters zumeist mit in die Wagschale fiel.

Auf der Höhe des Lebens und Strebens, der Erfahrungen und Erfolge, der Schaffensfreude und Lebenslust wurde der kräftige, kaum 55jährige alte Mann, der seinem Talent und Fleiß alles verdankte, von einem tückischen Magenleiden ergriffen, das in weniger als Jahresfrist seine Auflösung herbeiführte. - Der Verzicht auf seine Tätigkeit, die Trennung von seinen Kunstobjekten fiel ihm unsäglich schwer, noch schwerer vielleicht die niemals geäußerte Besorgnis, daß es seinen Söhnen nicht möglich sein werde, einen solchen Nachlaß in der bisherigen Weise weiterzuführen.

Der Entschluß derselben konnte deswegen kaum anders lauten als: das ganze gewaltige und vielgestaltige Lager der gesamten Kunstwelt zur Auswahl darzubieten in einer großen Versteigerung, für die nur Köln in Frage kommen konnte und der weite Kasinosaal, in dem die Kunst historische Ausstellung von 1876 und im folgenden Jahrzehnt die Auktionen von Parpart, Felix, Paul stattfanden, umfassend und aufsehenerregend für ihre Zeit, bescheiden gegenüber dieser Veranstaltung, die in Deutschland noch nicht ihresgleichen hatte.

Der mit so viel Sorgfalt wie Sachkenntnis angefertigte, reich und gut illustrierte Katalog informiert ausgiebig über den Inhalt der enormen Schatzkammer, die, obwohl nur ein Bruchstück des in mehr als 40jährigem Eifer gesammelten und zerstreuten Besitzes, als ein rühmliches Denkmal erscheint von dem Geschmack, der Intelligenz und Betriebsamkeit ihrer Begründer.

Köln, im August 1904.
                                                                                 Dr. Alexander Schnütgen

                                                  Vorwort von H. Lempert  im Ausstellungskatalog

     Dem vorstehenden Geleitsworte des Herrn Domkapitular Professor Dr. Alexander Schnütgen brauche ich wohl nur einige kurze Worte hinzuzufügen. Über die Bedeutung der Sammlungen Bourgeois konnte niemand besser und beredter sich aussprechen als der altbewährte, einflußreiche Kunstforscher, Kenner und Sammler, der ein stets gern gesehener Gast im Hause Bourgeois war. In einfachem, aber um so schwerer wiegendem Worte ist seiner Feder eine Charakteristik der Sammlungen — man kann in der Tat nur von solchen reden — entflossen; mit vollster Berechtigung hat er dieselben über alle gestellt, welche bislang auf dem Kunstmarkte Deutschlands zur Versteigerung gebracht worden sind.

    Von den Erben der Herren Gebr. Bourgeois, mit denen auch mich langjährige persönliche freundschaftliche Beziehungen verbunden, mit der öffentlichen Versteigerung der Sammlungen betraut, übergebe ich hiermit den Katalog der „Schatzkammer“ der Öffentlichkeit. Über die Gemälde ist ein besonderer Katalog erschienen.

    Ich betone hierbei ausdrücklich, daß der Katalog mit möglichster Genauigkeit und Gewissenhaftigkeit verfaßt wurde. In zuvorkommendster und liebenswürdigster Weise haben die Herren Prof. Dr. A. Schnütgen und  Dr. 0. von Falke, Direktor des Kunstgewerbemuseums, hier, mir bei Abfassung des Katalogs Rat und Tat zuteil werden lassen, namentlich bei der Bestimmung von Entstehungsort und Zeit der einzelnen Gegenstände, auf Grund sorgfältigster Untersuchung.  Den beiden Herren gebührt an dieser Stelle der Ausdruck meines verbindlichsten Dankes für ihre so ausgiebige Unterstützung und treue Mithilfe, die den Katalog über den Standpunkt eines gewöhnlichen Versteigerungskatalogs erhebt. Ihn  begleitet der Wunsch, daß er in den sich interessierenden Kreisen eine günstige und wohlwollende Aufnahme finden und für alle, die dem Hause Bourgeois Freres nahe gestanden haben, eine willkommene und bleibende Erinnerung sein möge an dessen Begründer und Besitzer.

Köln, 15. August 1904.
                                    H. Lempert



Links zu einigen Kunstgegenständen aus der o.g. "Collection Bourgeois Fréres“, die vom 19. bis 29. Oktober 1904
bei Lempertz, Köln, versteigert wurden.

Die Stücklein vorm Untergang bewahren" Mit zwei Ausstellungen feiert das Museum Schnütgen Jubiläum
Kunsthaus Lempertz in Köln

Reliquary Casket ca. 1200-1220, France, Limoges, Kimbel Art Museum, Texas (no. 363)
Mirror Case with the Gift of the Rose, Italien, Walters Art Museum
Nautilus Cup, Walters Art Museum (no. 554)

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